Leseprobe
Immer volle Pulle – Ein Stück Verler Heimatgeschichte
von Eva Buschmann
Verler Kindheit
Die meiste Zeit verbrachte ich bei den Niewöhners. Ich habe dort sehr viel bei der Arbeit geholfen, zum spielen gab es keine Zeit. Als Kind wollte ich schon immer zum Bauern gehen und helfen, daher habe
ich oft bei Niewöhner geholfen, z. B. in der Wiese oder bei der Brutmaschine, habe dort die Eier aussortiert und gewendet. Ich habe die Arbeit sehr geschätzt und auch gesucht.
Die ewige Suche nach Männerarbeiten konnte mein Vater nie verstehen. Er sagte manchmal auf Platt „Ist sie schon wieder hinter den Pferden zu laufen“ oder „Ist das Mädchen schon wieder bei Niewöhner“. Dadurch dass ich alle Arbeiten angenommen habe, die ich kriegen konnte, schon als Kind, bin ich sehr vielseitig geworden. Ich hatte merkwürdiger Weise auch keine Angst irgendwelche Dinge zu tun. Auch wenn Vater häufig geschimpft hat.
Bei Niewöhners bin ich häufig mit Jupps Motorrad gefahren, z. B. wenn es kaputt war ist es zu Kampmanns, Jupp gebracht worden und ich durfte es wiederholen und wegbringen. Das habe ich auch schon mit neun Jahren für meine Lehrerin gemacht. Wenn ihr Motorrad kaputt war, habe ich es zu Eickelmann nach Verl gebracht und bin voll Pulle durch den Bükersweg gefahren. Andere Mädchen machten Handarbeiten und ich putzte die Motorräder meiner Lehrerin. Es ist schon gediegen wenn man darüber nachdenkt. Merkwürdigerweise schickte sie niemals die Jungs mit ihrem Motorrad los, immer mich. Ich habe mich schon sehr gefreut wenn ich von Kampmann die Motorräder abholen durfte und bin dann allerdings viel mehr Runden gefahren als Vater erlaubt hatte.
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