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Leseprobe
Das war einfach so...
...damals in Sürenheide
Erinnerungen von Margarete Timmer
„… Für die Kühe reichte das Futter (Heu und Stroh) nicht aus. Deshalb musste zugekauft werden. Mein Vater kaufte jedes Jahr vom Müller zu Verl/Westerebbinghaus 40 – 50 Zentner. Das war gutes Heu, weil es aus den Wiesen am Ölbach kam. Er ging dann morgens früh zwei- bis dreimal los zum Gras schneiden. Das Essen wurde für den ganzen Tag mitgenommen. Am zweiten Tag brauchte man dann erst um 7 Uhr losgehen zum Heuen. Sense zum Schneiden, Forke und Harke zum Heuen. Das war alles, was man brauchte. Für ein Fuder Heu, 15 Zentner, brauchte ein Mann drei Stunden zum Schneiden. Es kam öfters vor, wenn man morgens um 7 Uhr zum Heuen losgegangen war und man kam dann um 9 Uhr beim Heu an, daß es dann regnete und man konnte dann unverrichteter Dinge wieder nach Haus gehen. Dann waren vier Stunden Marsch umsonst gewesen. Viele kauften auch Heu am Kanal der Lippe zwischen Paderborn und Lippstadt. Diese gingen dann Sonntagabend mit Sense, Harke und Forke, Lebensmittel für die ganze Woche und einer Decke zu ihrem gekauften Gras, schnitten es und blieben so lange dort, bis es trocken war. Mitunter war es in zwei Tagen trocken. Öfter dauerte es auch die ganze Woche. Wenn es trocken war, ging man nach Haus, holte Pferd und Wagen oder Ochs und Wagen und brachte das Heu heim. Das Holen dauerte ungefähr zwei Tage.
Die Kost für Menschen war einfach. Morgens gab es Kaffee aus Zichorie (das war eine gebraute Wurzel) an Festtagen gab es auch richtigen Kaffee. Den hatte jeder ungebrannt im Hause. Er wurde auf dem Herd im zugedeckten eisernen Topf, dessen Deckel ein kleines Loch hatte, durch das eine Spindel ging, die im Topf zwei Arme hatte und oben 20 Zentimeter aus dem Topf ein Arm zum Drehen. Dadurch wurde der Kaffee unter ständigem Umrühren geröstet. Zum Kaffee gab es Knabbel und Schwarzbrot mit Rübenkraut. Zum Frühstück Schwarzbrot mit Speck. Mittags ein Teller Milchsuppe und Eintopf mit etwas Speck und Mettwurst. An den Festtagen Huhn oder Rindbraten. Nachmittags wieder Knabbel und Schwarzbrot mit Rübenkraut. Abends den übergebliebenen Eintopf vom Mittag, Milchsuppe oder Pickert, Puffert, Pfannkuchen. Das war eine einfache, aber gute und gesunde Kost.
In Avenwedde waren zwei einklassige Volksschulen. Ein Lehrer unterrichtete 60 – 80 Kinder von morgens 8 bis 12 Uhr und nachmittags von 2 bis 4 Uhr. Zur Kirche mussten wir nach Friedrichsdorf 6 Kilometer weit. Jeden Sonntagmorgen zur heiligen Messe und nachmittags zur Andacht. Dann war der Sonntag vorbei. Meine Großeltern hatten es noch einfacher. Ich habe meine Großmutter und ihre Schwester Katharina (Tante) noch ganz gut in Erinnerung. Sie waren sehr fromm. Sie gingen jeden Morgen nach Friedrichsdorf zur heiligen Messe. Ob Sommer oder Winter, ob Regen oder Schnee. Das Essen war zu der Zeit noch ärmlicher, so habe ich es von meiner Tante (Frau Meier Bultmann) erzählt bekommen. Morgens ein Immet. Das war gemahlener Buchweizen in Wasser gekocht. Mittags wenig Kartoffel, Melde, Spinat, Grünkohl, Erbsen, Bohnen; als Fett etwas Rüböl hinein. Schwarzbrot hätte es nur an Sonn- und Festtagen gegeben. Fleisch überhaupt nicht. Die Großmutter und die Tante machten auch jedes Jahr eine Wallfahrt zur Gnadenmutter nach Telgte. Dann wurde für die drei Tage als Nahrung Schwarzbrot mitgenommen. Ein Weg dauerte etwa 10 Stunden Marsch. In Telgte wurde eine Nacht bei bekannten Leuten im Stroh geschlafen. Dann ging es wieder unter Singen und Beten nach Haus.“ (S. 13-15)
Aus Margarete Timmers Erzählungen:
„Am Samstag wurde die Badewanne in die Backstube getragen, denn dann musste man das Wasser nicht so weit schleppen. Und weil in der Backstube der Ofen stand, gab es da auch ein bisschen Warmwasser. Dann badeten drei bis vier Personen nacheinander im selben Wasser, anders wäre das gar nicht machbar gewesen. Die obere Schicht wurde immer abgeschöpft. Alle drei Wochen wurde Wäsche gewaschen. Sie wurde eingeweicht, gekocht und mit einer Art Stampfer im Wasser gestampft und gewendet. Hinterher fuhren wir die große Wanne mit der Wäsche an die Brücke am Bach, um sie dort auszuspülen. Jeden Samstag wurde auch das Sofa vors Haus getragen. Dann wurde es mit dem Teppichklopfer ausgeklopft. Staubsauger gab es in meiner Kindheit noch nicht.“ (S. 70)
Es kommt auch zur Sprache, was die Kinder spielten, wie gefeiert und getrauert wurde.
„… Auch wenn jemand starb, dann war der erste Nachbar zuständig, alles zu regeln, den Toten zu waschen, anzuziehen und sich um die Beerdigung zu kümmern. Jeden Abend wurde der Rosenkranz bei dem Toten gebetet. Die Nachbarn gingen in den umliegenden Dörfern von Hof zu Hof und sagten dort, natürlich in Platt: „Seid so gut, der und der ist gestorben, und geht zur Beerdigung.“ Auch wenn jemand krank war, der keine Familie hatte, kümmerte sich der erste Nachbar um den Kranken, wusch ihn und brachte Essen.“ (S.73)
Die Leser erfahren, wie früher die kleinen Kinder versorgt wurden. Im Zeitalter von Pampers und Zentralheizungen kaum mehr vorstellbar. Und doch ist das gerade einmal 60 Jahre her.
“Die Säuglinge kamen in den Puck. Sie wurden gepuckt. Das Wort kommt wohl von einem quadratischen Tuch aus Biberstoff, das Puckfauer genannt wurde. Das Puckfauer kam außen herum um das ganze Windelpaket, weil es gut wärmte. Die Häuser waren ja damals kalt. Darunter kam eine doppelt gelegte Windel aus Leinenstoff, aus Betttuchstoff zum Beispiel; nachts nahm man davon auch schon mal zwei, damit mehr Flüssigkeit aufgenommen wurde. Unter die Leinenwindel, direkt auf die Haut, kam eine Mullwindel in Dreieckform. Und damit das alles hielt, wickelte man außen herum eine gestrickte Binde, die ungefähr zehn Zentimeter breit war. Wenn die Kinder ungefähr ein halbes oder dreiviertel Jahr alt waren, wurden sie nicht mehr so gewickelt. Aber sie hatten immer noch Windeln an. Im Kinderwagen lag außerdem eine Gummiunterlage. Sobald die Kinder laufen konnten, bekamen sie lange Kleider an – übrigens auch Jungens – so lange bis sie sauber waren. Unter diesen Kleidern gab’s keine Buxe an. Wie hätten die Leute das früher auch machen sollen? Jedes Jahr ein Kind. So viel Windeln gibt’s ja gar nicht. Und dann noch ohne Waschmaschine, alles von Hand und kein Heißwasser aus der Leitung …“ (S.74)
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